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Sanieren von Estrichrissen - aber richtig


Risse im Estrich sind für alle Beteiligten eine "unschöne" Sache. Letztendlich werden aufgetretene Rissbildungen immer als Mangel eines Estrichs bezeichnet. Selbst bei sorgfältigster Estrichverlegung sind Risse nicht immer auszuschließen. Die Schuldfrage bzw. Ursache der Rissbildungen sind selten genau zu definieren. Diskussionen, wer für den Schaden verantwortlich ist, helfen nicht weiter. Wichtiger ist es, aufgetretene Rissbildungen wieder kraftschlüssig zu verschließen und somit wieder eine tragfähige Estrichplatte herzustellen. Das Vergießen oder Verpressen mit Reaktionsharzsystemen hat sich als Sanierungsmaßnahme in der Praxis bewährt. Das Vergießen ist hierbei die einfachste Methode, auf eine sorgfältige Ausführung ist jedoch trotz der leichten Handhabung zu achten.


Die häufigsten Fehler beim Vergießen sind:

 

  • Ungenügende Säuberung der Rissflanken im Rissbereich (Staub, etc.)
  • Falsches Dosieren von Harz- und Härterkomponente der Vergussmasse (ungenügende Aushärtung)
  • Ungenügende Benetzung der Rissflanken mit der Vergussmasse (unzureichender Verbund)
  • Fehlende Maßnahmen zum Schutz vor Höhenversatz (erneute Rissbildung)
  • Ungenügende Abstreuung mit Quarzfeinsand (kein Haftgrund für Kleber, Spachtel etc.)



Ein wichtiger Punkt wird meistens übersehen oder selten geprüft - "die Restfeuchte der Estrichplatte"!

Wird ein Riss zu früh verharzt, sind die Schwindprozesse in einem Zementestrich noch nicht abgeschlossen. So können weitere Spannungen und erneute Rissbildungen entstehen.


Weiterhin können Missverständnisse auftreten. Der Bodenleger interpretiert die verharzten Fugen als verlegreifen Untergrund und so kann aus einem kleinen Riss ein folgenschwerer Feuchtschaden am Bodenbelag werden. Natürlich ist der Bodenleger nicht von seiner Pflicht der Restfeuchtemessung eines Estrichs entbunden, wenn er einen Estrich mit "verharzten" Rissen vorfindet. In seinem eigenen Interesse wird der Bodenleger Bedenken anmelden, wenn die Belegreife nicht vorliegt. Da der Bodenleger i.d.R. ebenfalls eine gute Praxiserfahrung im Umgang mit Reaktionsharzsystemen hat, wird es der "Sanierer" in diesem Fall schwer haben, sich "herauszureden". Darum eine klare Aussage: "Feuchteprüfung vor der Sanierung von Estrichrissen!"


Wird nach den Regeln der Technik gearbeitet und die notwendige Sorgfalt bei den Sanierungen von Estrichrissen beachtet, sind spätere Probleme nicht zu erwarten. Als Vergussmassen sind folgende Reaktionsharzsysteme im Markt erhältlich:

 

  • Epoxydharze (EP)
  • Polyurethanharze (PU)
  • Methylmethacrylatharze (PMMA)
  • Polyesterharze (UP)



Epoxydharze und Polyurenthanharze eignen sich erfahrungsgemäß sehr gut als Vergussmasse, da sie praktisch "schwindfrei" aushärten. Aus diesem Grund werden z. B. Polyurenthanharze immer häufiger am Bau eingesetzt.


LANXESS bietet unter dem Produktnamen Thixopont® F ein Reaktionsharzsystem auf Polyurethanbasis an. Das Anmischen von Thixopont® F ist durch das vorgegebene Mischungsverhältnis von Harz und Härter (1:1 nach Raumteilen) auch bei kleinen Entnahmemengen sehr einfach.


Richtige Vorgehensweise bei der Sanierung von Estrichrissen:

 

  • den Riss ggf. mit geeigneten Werkzeugen aufweiten / nachschneiden und im Abstand von ca. 30 bis 40 cm quer zum Rissverlauf einschneiden
  • Reinigung der Rissflanken mittels Staubsauger (auf Verunreinigungen achten)
  • Anmischen der Vergussmasse (z. B. Thixopont® F, Harz und Härter 1:1 nach Raumteilen mischen)
  • das Vergießen muss über den gesamten Querschnitt erfolgen
  • Querverdübelungen (z. B. Wellenverbinder) in die quer zum Riss verlaufenden Einschnitte einlegen
  • ausgetretenes Harz planeben spachteln und mit feuergetrocknetem Quarzsand abstreuen, um für den späteren Belag einen ausreichenden Haftverbund zu erreichen



Bei Heizestrichen ist darauf zu achten, dass beim Nachschneiden / Aufweiten der Risse keine Heizrohre beschädigt werden. Die Maschinenhersteller bieten bereits eine große Auswahl von Schneidgeräten an, die ein Einstellen der Schnitttiefe ermöglichen. Bzgl. der Dämmschichten unterhalb der Estrichplatte ist darauf zu achten, dass nicht alle zur Herstellung von Dämmstoffen eingesetzten Materialien in Verbindung mit lösemittelhaltigen Reaktionsharzsystemen beständig sind.


Ist bei einer fachgerechten Sanierung von Estrichrissen eine Wertminderung des Gewerks "Estrich" in Betracht zu ziehen? Im Regelfall ist diese Frage mit "nein" zu beantworten. Die "verharzten" Estrichbereiche weisen meist eine höhere Tragfähigkeit auf als der Rest einer Estrichfläche. Zugeständnisse sind allerdings für den Fall berechtigt, wenn der Bauherr bereits vor der Estrichverlegung optische Anforderungen an eine Estrichfläche stellt ( z. B. Ausstellungsraum, unmittelbare Nutzung der Oberfläche ohne Belag). Bei Lagerhallen, Garagen oder anderen direkt genutzten Estrichen muss von Fall zu Fall entschieden werden.